Aurel-von-Szily Lecture 2020

Professor Dr. med. Manfred Zierhut beendete 1983 sein Studium der Humanmedizin in Hannover. Die Weiterbildung zum Augenarzt absolvierte er an der Medizinischen Hochschule Hannover und an der Universitätsaugenklinik in Tübingen. 1988 wurde er Facharzt für Augenheilkunde. Ein einjähriges Forschungsstipendium zog ihn nach Boston zur Harvard Medical School. Manfred Zierhut habilitierte sich 1991 und ist seit 1997 außerplanmäßiger Professor an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. 

Seit Anfang der 90er Jahre leitet er dort den Schwerpunkt entzündliche Augenerkrankungen. Wissenschaftlich widmete er sich der Erforschung unterschiedlichster entzündlicher Augenerkrankungen sowohl in Bezug auf die Pathophysiologie und die Verbindung zur Immunologie als auch in Bezug auf das Ansprechen neuer Therapiestrategien. Neben seiner unermüdlichen wissenschaftlichen und klinischen Tätigkeit prägt Professor Zierhut seit Jahrzehnten nationale und internationale Fort- und Weiterbildungen zum Thema entzündliche Augenerkrankungen; seine internationalen Uveitiskurse in Europa und insbesondere in Afrika führen zu einer deutlichen Verbesserung der klinischen Versorgung. Seit vielen Jahren ist er Herausgeber einer der wichtigsten Zeitschriften für entzündliche Augenerkrankungen, des „Journal of Ocular Immunology and Inflammation“. Aktuell ist er Präsident der International Uveitis Study Group. Vor diesem Hintergrund befasst sich sein Ehrenvortrag mit Formen entzündlicher Augenerkrankungen, die in Deutschland noch selten, aber in anderen Regionen häufig auftreten.

Aurel von Szily war von 1905 bis 1924 an der Freiburger Universitätsklinik beschäftigt und wurde dort 1913 zum außerordentlichen Professor ernannt. Nach seinen Einsätzen in Kriegslazaretten während des ersten Weltkriegs veröffentlichte er 1918 den Atlas der Kriegsaugenheilkunde. Er erhielt das Badische Kriegsverdienstkreuz und das Eiserne Kreuz II. Klasse. 1924 wechselte er als ordentlicher Professor nach Münster an die neugegründete Augenklinik, der er einen internationalen Ruf verschaffte. Für sein Lebenswerk wurde er 1925 mit dem Von-Graefe-Preis geehrt.

Mit seinen Tierversuchen zur Erklärung der sympathischen Ophthalmie und dem daraus hervorgehenden „von Szily-Modell“ erlangte Aurel von Szily internationale Bekanntheit. Immer wieder befasste er sich mit neuen Problemen der augenärztlichen Diagnostik und Therapie: Neben den immunologisch hervorgerufenen Augenkrankheiten beschäftigten ihn auch die angeborenen Fehlbildungen des Auges, die Anatomie des vorderen Augenabschnitts und die Entstehung von Linsentrübungen. Er entwickelte zudem eine Darstellung der abführenden Tränenwege mit einer neuen, von ihm erprobten Technik und eine neue Methode zur Behandlung von Netzhautablösungen.

Von Szily kehrte 1939 in seine Heimatstadt Budapest zurück, nachdem die Nationalsozialisten ihn 1935 vom Münsteraner Lehrstuhl vertrieben. Man entzog ihm außerdem die deutsche Staatsbürgerschaft sowie die Schriftleitung der „Klinischen Monatsblätter für Augenheilkunde. Zu den wichtigsten Arbeiten von Szilys gehörte die „Vergleichende Morphogenese und Morphographie der Papilla nervi optici“, die leider unvollendet blieb.